05.02.2015 / 15:33 - Rubrik: Kultur

Herbert Döring-Spengler: Sprechende Hände

Herbert Dring-Spengler: Sprechende Hnde



Rheinisches Bildarchiv erhält 80 Polaroid-Aufnahmen vom Künstler


Seit Beginn dieses Jahres ergänzt eine weitere Serie des Kölner Fotografen Herbert Döring-Spengler die Fotografie-Sammlungen der Stadt Köln. Dem Rheinischen Bildarchiv schenkte er anlässlich seines 70. Geburtstags 80 Polaroids seiner Serie „Sprechende Hände“. Die Schenkung nahm der Rat Ende September 2014 an, seit Dezember gehört sie zum Bestand des Rheinischen Bildarchivs. Bereits im Jahr 2014 hatte der Fotograf dem Kölnischen Stadtmuseum 50 Polaroids aus der Serie „Kölner Köpfe“ geschenkt („Polaroids – getoastet“, Kabinett-Ausstellung im KUBUS, 23. Mai bis 10. August 2014).


Mit der Serie „Sprechende Hände“ bringt der Künstler seine Auseinandersetzung mit der Gebärdensprache zum Ausdruck. Gleichzeitig steht sie für das von ihm seit 1980 entwickelte Verfremdungsverfahren der „Poloastografie“. Döring-Spengler geht vom Polaroid-Sofortbild im System SX-70 mit einer Bildgröße von 7,8 mal 7,9 Zentimetern aus, das er unmittelbar nach seiner Entstehung bearbeitet und durch Erhitzen im Toaster, Zerkratzen, Zerreißen, Übermalen oder Brechen verfremdet. Durch seine experimentelle Arbeitsweise mutiert das Polaroid zum Werkstoff und Ausgangsmaterial für weitere künstlerische Prozesse.



Die Aufnahmen zeigen Porträts gehörloser Menschen, die jeweils einen selbst gewählten Begriff oder Satz darstellen. Ein persönliches Erlebnis des Fotografen mit der Gebärdensprache brachte ihn auf die Idee: Döring-Spengler beobachtete im Jahr 2000 auf der Kunstmesse Art Cologne eine Gruppe von Personen, die gestikulierend vor einem Bild standen und offensichtlich kontrovers über dieses Kunstwerk diskutierten. Die Serie entstand daraufhin im Verlauf von vier Jahren während eines Projekts mit dem „Institut Deutscher Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser Hamburg“.



Döring-Spenglers Fotoarbeiten sind keine Porträtfotografien im herkömmlichen Sinne. Innerhalb der für den Künstler typischen experimentellen Bearbeitungsprozesse verschwinden individuelle Merkmale, und die fotografische Aufnahme wird in ein eigenes Bild mit malerischen Effekten verwandelt. Statt der Individualität eines Menschen steht die Sprache als eine grundlegende zwischenmenschliche Interaktion im Mittelpunkt: Die Gebärdensprache Gehörloser ist eine eigenständige visuelle Sprache, die ihrem Wesen nach eher bildhaft und weniger symbolisch ist.




Die Serie wurde mehrfach ausgestellt, unter anderem im Bonner LVR-Landesmuseum (2004), im nordrhein-westfälischen Landtag (2009) und in einem Katalog des LVR-Landesmuseums publiziert (Zehnder, Frank Günter (Hrsg.): Sprechende Hände. Polaroidarbeiten von Herbert Döring-Spengler. Bonn 2004.).



Das Rheinische Bildarchiv ist seit seiner Gründung im Jahr 1926 auf Sachaufnahmen in und für Kölner Museen spezialisiert. Neben dieser Aufgabe als Fotodienstleister übernimmt und bewahrt es aber auch wichtige analoge Fotografenbestände, die sowohl foto- als auch kunsthistorisch von überregionaler oder internationaler Bedeutung sind. Die meisten dieser Bestände haben einen Bezug zu Köln als Handlungs-, Stand-, Aufbewahrungs- oder Entstehungsort des abgebildeten Motivs, als Herkunftsort oder Lebensmittelpunkt des Fotografen. Die Schenkung von Herbert Döring-Spengler erweitert und ergänzt die vorhandenen Bestände in hervorragender Weise.



Herbert Döring-Spengler, 1944 in Köln geboren, experimentierte seit 1980 mit Polaroids. Seit 1983 war er als freischaffender Künstler tätig. Währenddessen hatte er zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland, unter anderem im Museum Ludwig, Stiftung Museum Schloss Moyland/Bedburg, Henie Onstad Kunstsenter in Oslo/Norwegen und Takeshi Tokino in Osaka/Japan. Heute lebt er in Lohmar und hat sein Atelier in Siegburg.







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